"... und trinket alle daraus.“ – Gedanken zur Form der Abendmahlfeier
Im Abendmahl wird die Gemeinschaft der Gemeinde untereinander und mit Christus sichtbar. Christinnen und Christen stehen miteinander vor dem Altar und trinken gemeinsam aus dem Kelch. Obwohl er gedreht und immer wieder gereinigt wird, haben einige Gemeindemitglieder hygienische Bedenken, aus dem Abendmahlskelch zu trinken und überlegen sich deshalb, ob sie überhaupt am Abendmahl teilnehmen sollen.
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Da es hier nicht um ein theologisches Problem, sondern um die Frage nach der äußeren Gestalt geht, gibt es viele Überlegungen, diesen Bedenken Rechnung zu tragen: So ist es zum Beispiel in manchen Gemeinden üblich, das Abendmahl in Form des Einzelkelchs zu empfangen. Jede und jeder Teilnehmende am Abendmahl erhält einen eigenen kleinen Kelch, aus dem er oder sie trinkt. Diese Form wird in unserer Gemeinde nicht angeboten.
Stattdessen gibt es die Möglichkeit der so genannten „Intinktio“. Der Name bedeutet „Eintauchen“. Die Teilnehmenden behalten nach Empfang die Hostie für sich und tauchen sie in der zweiten Runde ein Stück in den Kelch ein. Dabei muss dem Pfarrer oder der Pfarrerin niemand sagen, welche Praxis er oder sie bevorzugt. |
Wenn jemand seine Hostie noch in der Hand hält, ist das Zeichen für die Austeilenden genug. Die die Praxis der Intinktio ist sehr alt. Sie wird vor allem in den Kirchen des Ostens praktiziert. Dort werden die Brotstücke allerdings vor der Austeilung in den Kelch gelegt und mit einem Löffel ausgeteilt.
Viele Formen gibt es, das Abendmahl auszuteilen und zu empfangen. Das ist von Gemeinde zu Gemeinde unterschiedlich. Auch in unserer Gemeinde bevorzugen manche die Intinktio. Andere wiederum stehen ihr eher skeptisch gegenüber und bedauern, dass dadurch der Charakter des Gemeinsamen beim Abendmahl verloren geht.
Ich persönlich halte sowohl das Trinken aus dem Abendmahlskelch als auch die Intinktio für gleichwertige Formen des Abendmahls. Das Gemeinsame des Abendmahls zeigt sich meines Erachtens nicht nur im Trinken aus einem Kelch, sondern vor allem auch im gemeinsamen Stehen um den Altar. Nehmen wir doch beim nächsten Ma(h)l bewusst wahr, wer da neben uns noch vor dem Tisch des Herrn steht. Ich denke, dann ist es auch nicht so entscheidend, ob tatsächlich alle aus dem gleichen Kelch trinken. Vor allem, wenn wir auf diese Weise die Bedenken ausräumen können.
Dr. Martin Weber, 2007
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