Johann Michael Haydn (1737 bis 1806)

Wie sein um fünf Jahre älterer Bruder Joseph Haydn wurde auch Johann Michael Haydn (1737–1806) im niederösterreichischen Rohrau geboren und wegen seiner schönen Sopranstimme mit acht Jahren als Sängerknabe am Kapellhaus zu St. Stephan in Wien aufgenommen. Umgeben von einer reichen Tradition barocker Kirchenmusik, studierte er bei Georg Reutter d.J., Kapellmeister an St. Stephan, die Grundlagen der Komposition anhand des damals berühmtesten Lehrbuches: der auf dem Palestrina-Stil aufbauenden Kontrapunktlehre Gradus ad Parnassum (1725) von Johann Joseph Fux. Diese fundierte kontrapunktische Ausbildung hat Johann Michael Haydns kirchenmusikalischen Stil wesentlich mitbestimmt.

 

1760 erhielt Johann Michael Haydn eine Anstellung als Kapellmeister beim Bischof von Großwardein (im heutigen Rumänien). Hier entstanden neben liturgischer Gebrauchsmusik erste Sinfonien, die sich mit den frühen instrumentalen Werken seines Bruders messen lassen können. Haydn blieb jedoch nicht in der Provinz, sondern schaffte 1763 den Sprung an den renommierten geistlichen Fürstenhof in Salzburg, wo er über 40 Jahre in den Diensten von Fürsterzbischof Sigismund Graf Schrattenbach und seinem Nachfolger Hieronymus Graf Colloredo stand. Als „Hofmusicus und Concertmeister“ war er Kollege von Vizekapellmeister Leopold Mozart und dessen Sohn Wolfgang Amadeus.

 

Zusätzlich zum Dienst in der fürsterzbischöflichen Hofmusik bekam J. M. Haydn 1777 die Organistenstelle an der Dreifaltigkeitskirche übertragen. Nach W. A. Mozarts Zerwürfnis mit dem Salzburger Hof wurde er 1782 dessen Nachfolger als erster Hof- und Domorganist, damit verbunden war zudem die Unterrichtstätigkeit am Salzburger Kapellhaus. Haydn war ein gesuchter Pädagoge, zu dessen Schülern u.a. Anton Diabelli, Sigismund Neukomm und Carl Maria von Weber zählten.

 

In den beiden letzten Lebensjahrzehnten widmete sich Haydn fast ausschließlich der geistlichen und weltlichen Vokalmusik. Mit den gleichstimmigen deutschen Liedern, die er für die geselligen Treffen mit seinen Freunden schrieb, schuf Haydn die neue Gattung des Männerquartettes.

 

 

Zwei Reisen führten Haydn 1798 und 1801 zu seinem Bruder nach Wien. Ein lukratives Angebot als Vizekapellmeister am Esterházyschen Fürstenhaus lehnte er ab. Ehrend war für den „Salzburger Haydn“ die Aufnahme in die „Königliche Schwedische Musikakademie“ im Jahr 1804. Im August 1806 starb Johann Michael Haydn und wurde auf dem Friedhof von St. Peter beigesetzt. Bereits zu seinem 15. Todestag wurde 1821 in der Stiftskirche St. Peter ein Denkmal enthüllt. In berührenden Worten berichtete Franz Schubert im August 1825 seinen Eindruck vom Besuch dieses Grabmonumentes: „Es wehe auf mich, dachte ich mir, dein ruhiger, klarer Geist, du guter Haydn, und wenn ich auch nicht so ruhig und klar sein kann, so verehrt dich doch gewiss Niemand auf Erden so innig."

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Haydn-Denkmal im Stift St. Peter/Salzburg

 

Johann Michael Haydn wurde von den Zeitgenossen zunächst als gleichberechtigt neben Joseph Haydn gesehen. Erst der steile Aufstieg des älteren Bruders zum bedeutendsten Instrumentalkomponisten der Zeit rückte Johann Michael Haydn in den Schatten, aus dem ihn die musikalische Entdeckerfreude der letzten Jahre zunehmend herausholt. Haydns umfangreiches kirchenmusikalisches Werk, das nicht zuletzt von seinem Bruder Joseph und den kritischen Mozarts geschätzt wurde, überragt sein übriges Schaffen (Singspiele, Männerquartette, Sinfonien, Serenaden, Konzerte, Kammermusik).

 

Quelle: carus-Verlag online

 

 

 

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