"Meinen Jesum lass ich nicht"

Bachkantate BWV 124 für Soli, Chor und Orchester

Immanuelkirche, Kantatengottesdienst am 2. März 2008

 

 

Choral:

Meinen Jesum lass ich nicht,

weil er sich für mich gegeben,

so erfordert meine Pflicht,

klettenweis an ihm zu kleben.

Er ist meines Lebens Licht,

meinen Jesum lass ich nicht.

 

Recitativo (Tenor):

Solange sich ein Tropfen Blut

in Herz und Adern reget,

soll Jesus nur allein

mein Leben und mein alles sein.

Mein Jesus, der an mir so große Dinge tut:

Ich kann ja nichts als meinen Leib und Leben

ihm zum Geschenke geben.

 

Aria (Tenor):

Und wenn der harte Todesschlag

die Sinne schwächt, die Glieder rühret,

wenn der dem Fleisch verhasste Tag

nur Furcht und Schrecken mit sich führet,

doch tröstet sich die Zuversicht:

Ich lasse meinen Jesum nicht.

 

Recitativo (Bass):

Doch ach!

Welch schweres Ungemach

empfindet doch allhier die Seele?

Wird nicht die hart gekränkte Brust

zu einer Wüstenei und Marterhöhle

bei Jesum schmerzlichstem Verlust?

Allein mein Geist sieht gläubig auf

und an dem Ort, wo Glaub und Hoffnung prangen,

allwo ich nach vollbrachtem Lauf

dich, Jesu, ewig soll umfangen.

 

Aria Duetto (Sopran, Alt):

Entziehe dich eilends, mein Herze, der Welt,

du findest im Himmel dein wahres Vergnügen.

Wenn künftig dein Auge den Heiland erblickt,

so wird erst dein sehnendes Herze erquickt,

so wird es in Jesu zufriedengestellt.

 

Choral:

Jesum lass ich nicht von mir,

geh ihm ewig an der Seiten;

Christus lässt mich für und für

zu den Lebensbächlein leiten.

Selig, der mit mir so spricht:

Meinen Jesum lass ich nicht.

 

 

Der Liedtext dieser zum 7. Januar 1725 von Johann Sebastian Bach komponierten Kantate knüpft zwar an die Evangelienlesung dieses Sonntags an, lässt aber vom biblischen Erzähltext abweichend, in echt barocker Vorliebe der drastischen Schilderung des Todes und der Weltverachtung freien Lauf.

 

 

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