Grußwort von Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler

 

Mascha Kaléko schreibt in ihrem Gedicht Memento: „Bedenkt, den eigenen Tod, den stirbt man nur, doch mit dem Tod der andern muss man leben.“ Der November ist im Kirchenjahr dem Gedenken an die Toten gewidmet. Zu Beginn des Monats besuchen viele Katholiken an Allerseelen die Gräber ihrer Angehörigen. In der evangelischen Kirche wird am letzten Sonntag im November, dem Toten- oder Ewigkeitssonntag, der Verstorbenen gedacht.

 

In besonderer Weise intoniert in diesem Jahr die Kantorei der Immanuelkirche den Ewigkeitssonntag. Als Münchner Erstaufführung erklingt von Chor, Orchester und Solisten die Messe des Morts von Marc-Antoine Charpentier. Die alten Worte des lateinischen Requiems und die Musik des französischen Barockkomponisten rühren an die Saiten der Seele, die Trauer und Klage Resonanz geben. Die innigliche Bitte an Gott für die Verstorbenen, die einem einst nahe und lieb gewesen sind, steht am Anfang und Ende der Messe. Im dritten Part des Konzertprogramms beim Canticum Zachariae, dem Lobgesang des Zacharias, bricht sich das Licht der Auferstehung Bahn und wirft seinen Schein voraus auf den Advent, die Ankunft Gottes in der Welt.

 

Es ist beeindruckend, wie liebevoll und engagiert sich die Kantorei der Immanuelkirche dieses oft in Vergessenheit geratenen Werkes angenommen hat. Ich danke dem Kantor Konstantin Köppelmann, den zahlreichen Mitwirkenden und dem „Freundeskreis Kirchenmusik Immanuel“ für die Verwirklichung der musikalisch herausragenden Aufführung.

 

Ich wünsche Ihnen einen erfüllenden Besuch des Konzerts.

 

Ihre

Susanne Breit-Keßler

Regionalbischöfin

 

 

Susanne Breit-Keßler, geboren 1954, absolvierte eine journalistische Ausbildung bei der Süddeutschen Zeitung und beim Bayerischen Rundfunk. Sie arbeitete danach als Publizistin für die SZ, das Deutsche Sonntagsblatt sowie für weitere Print-Medien und als Korrespondentin für den BR. Von 1995-98 war sie "Wort zum Sonntag"-Sprecherin bei der ARD. Auf Bitte des Landesbischofs von Bayern wechselte sie 1994 in das Landeskirchenamt und war dort als Medien-Beauftragte für die Publikationen der Kirchen-Leitung verantwortlich. 1997 übernahm sie die Leitung der "Nachrichten der evangelisch-lutherischen Kirche in Bayern". Daneben ist sie seit Jahren Ausbilderin und Prüferin des theologischen Nachwuchses in Predigtlehre und Publizistik. Für ihr publizistisches Wirken erhielt Breit-Keßler 1989 den Wilhelm-Sebastian-Schmerl-Preis. Seit November 2000 ist Susanne Breit-Keßler die erste bayerische Regionalbischöfin.

 

 

 

Grußwort von Abt Odilo Lechner

 

Dass in der Immanuelkirche am Totensonntag Requiem und der 129. Psalm von Charpentier zur Aufführung kommen, ist sicher ein musikalisches Ereignis, das alle Bewunderung verdient. Zugleich aber ist es eine wichtige Hilfe für unseren Umgang mit dem Tod und mit den Verstorbenen. Das Sterben ist ja heute oft aus unserem Bewusstsein verdrängt und unserer Verstorbenen gedenken wir oft nur im Hinblick auf etwas Vergangenes. Wenn wir den Abschied von lieben Menschen bewältigen und die Verbundenheit mit unseren Verstorbenen nicht auf Erinnerung fixieren, sondern lebendig halten wollen, dann wird Abschiednehmen und Gedenken für den glaubenden Christen am tiefsten vollzogen in der Gedächtnisfeier, in der wir Tod und Auferstehung Christi begehen. Er ist für uns alle, also auch für unsere Verstorbenen, gestorben und will uns alle teilnehmen lassen an der Herrlichkeit seiner Auferstehung. In dieses das Leben, auch das sündige, heilende und verwandelnde Geschehen, dürfen wir das Leben unserer Verstorbenen hineingeben.

 

Darum hat das „Requiem“, die Messe für Verstorbene, nach dem Eingangsvers „Ewige Ruhe schenke ihnen, o Herr“ benannt, in der Liturgie der Kirche große Bedeutung gewonnen und immer wieder musikalische Gestaltung erfahren, wie auch die abschließende Gebete am Sarg, etwa der Psalm 129.

 

Mit vielen guten Wünschen für den 23. November 2003

Ihr Odilo Lechner OSB

 

 

 

Dr. Odilo Lechner wurde als Hans Helmut Lechner am 25. Januar 1931 in München geboren. Nach seiner Zeit an der Benediktinerschule im Kloster Metten entschloss er sich Priester zu werden und studierte in München und Innsbruck Theologie und Philosophie. 1952 trat er ins Kloster St. Bonifaz in München ein, wo er 1956 zum Priester geweiht wurde. 1964 wurde er mit 33 Jahren zum jüngsten Benediktinerabt Deutschlands gewählt. In seine Amtszeit als Abt fielen der Wiederaufbau der kriegszerstörten Kirche von St. Bonifaz sowie die Modernisierung der Klosterbrauerei Andechs, deren Einnahmen den Orden unabhängig von der Kirchensteuer machen. Sie ermöglichen auch die umfangreiche Obdachlosenarbeit, die ganz dem Motto des Abtes „Diletato corde“ - mit weitem Herzen – entspricht. Im Alter von 72 Jahren ist Abt Odilo Lechner in diesem Jahr in den Ruhestand gegangen. „In unserer bilderüberfluteten Zeit, wo Sprache durch Sprechblase ersetzt wird, ist es schön, einen Mann preisen zu dürfen, der sprechen, beten, psalmodieren, predigen, lehren und lachen kann.“ (August Everding zum 70. Geburtstag Abt Odilo Lechners)