Libretto: (talienisch)
Pietro Metastasio (1698 – 1782), bearbeitet von Giovan Gualberto Bottarelli)
Übersetzung aus dem Italienischen:
Konstantin Köppelmann
Personen:
Joash (Gioas), Sohn von Ahasiah und Zibeah, unter dem Namen Hoseah Altus
Zibeah, Witwe Ahasiahs und Mutter von Joash Sopran
Athaliah, Großmutter vonJoash, Ursupatorin des Judäischen Thrones Alt
Jehoiada, Hoherpriester der Juden Tenor
Ismael, Führer der Leviten Sopran
Mathan, ein Baalpriester Bass
Erster Teil
Ouvertüre
(Grave - Allegro – Grave
Rezitativ
Ismael:
Ewiger Gott! Leuchtet also die Fackel
Davids noch? Wo ist sie verborgen?
Führe mich zu unserem König!
Jehoiada:
In diesem heiligen Raume
sind die kostbaren Überreste
des königlichen Sprosses eingeschlossen.
Begierig will ich ihm heute
den Thron zurückgeben.
Ismael:
Dieses große göttliche Geheimnis
begreife ich noch immer nicht ganz.
Jehoiada:
Du weißt, dass Jehosheba meine Gemahlin ist,
die Schwester Ahasiahs.
Ismael:
Wer könnte dies nicht wissen?
Jehoiada:
Ihr verdanken wir unseren König.
Ismael:
Seine Ermordung beweinend,
da wir dachten die Nachfahren Davids
seien von ihm verlassen,
sehen wir ihn jetzt auf dem Throne.
Arie (Ismael)
Manche Pflanze, tot und verwelkt erscheinend,
erwacht zum Leben
mit schönerer Blüte denn zuvor.
So wie ein beinahe
verlöschendes Licht
danach mit noch größerer Helligkeit
wieder zu leuchten beginnt.
Manche Pflanze ...
Recitativ
Jehoiada:
Halte ein, lieber Ismael, geh
und führe aus, was man dir befahl,
und hüte das große Geheimnis eifersüchtig.
Ismael:
Und werden wir genug Kraft haben,
dem Verderben und den Verfolgern
der Tyrannin zu widerstehen?
Jehoiada:
Geh! Wir werden die Stärkeren sein.
Gott ist mit uns.
Chor (der Leviten)
Gott ist mit uns. Lasst sie wissen,
wer wir sind, dass Gott uns hilft
und viele Wunder für uns tat:
Er teilte das rote Meer unter unseren Füßen.
Es gefiel ihm, die Wellen zu besänftigten.
Dem trockenen Felsblock
eröffnete er reiche Adern.
Soli:
Er führte uns durch die Wüste
und ernährte uns.
Chor:
Vertrauen sollen wir nun darauf,
dass er uns erhält.
Ach, ja, die himmlische Gnade
ist gegenwärtig.
Leviter, lasst uns gehen!
Verteidige dein Volk,
großer Gott Abrahams!
Rezitativ
Joash:
Eile, mein Vater!
Ach, weißt Du nicht?
Die Leviten bewaffnen sich
mit Eifer im Tempel.
Jehoiada:
Hoseah, jene Waffen werden nicht ergriffen,
um dir Schaden zu bereiten.
(Ewiger Gott! Die Mutter von Joash!)
Du hier? Was geschah?
Warum in Jerusalem?
Zibeah:
Die unwürdige Thronbesetzerin
ruft mich zu sich.
Joash:
Warum, o Herr, weint jene Unglückliche?
Jehoiada:
Schweige, du wirst es erfahren!
Zibeah:
Jehoiada, ist dieser Knabe dein Sohn?
Jehoiada:
Nein, im Kindesalter nahm ich mich des Waisen an,
um ihn zu erziehen.
Zibeah:
Wie ist sein Name?
Jehoiada:
Hoseah.
Zibeah:
Woher kommt er?
Jehoiada:
Ich weiß es nicht.
Zibeah:
Aber deine Mutter, Hoseah, wo ist sie?
Joash:
Ich habe sie niemals gesehen.
Zibeah:
Unglücklicher Knabe, wie Du mir teilweise ähnelst:
Du deiner Mutter beraubt,
und ich meiner Kinder.
Joash:
Ach, darum weine nicht. Wer weiß?
Vielleicht könnte der ewige Vater dir deine Kinder,
und mir meine Mutter zurückgeben.
Jehoiada:
Hoseah, gehe und erwarte mich
unter dem bedeckten Gang.
Joash:
Ich gehorche; aber sieh nur,
sie weint noch immer!
Du musst sie trösten!
Zibeah:
Ach sage mir, mein lieber Hoseah,
warum siehst Du mich so nachdenklich an?
Arie (Joash)
Dein Schmerz erinnert mich daran,
dass meine Mutter vielleicht genauso weinte,
als sie mich verlor.
Ach, ich weiß nicht, wo sie ist.
Aber unser Gott weiß es.
Von ihm will ich erbitten,
dass er sie mir noch diesen Tag zurückgebe,
wenn es ihm gefällt.
Dein Schmerz ... (ab)
Recitativ
Jehoiada:
Fort mit dir! Athaliah erwartet dich.
Du weißt, dass die Verdächtigungen
ewige Diener der Tyrannen sind.
Zibeah:
Ach, du zwingst mich,
meinen Kummer zu erneuern!
Jehoiada:
Wer weiß, meine Tochter, wer weiß?
Mein Herz sagt mir,
dass du noch heute versöhnt sein wirst.
Begleitetes Rezitativ
Zibeah:
Ach, Vater, ach, du kannst meine Qual
nicht ermessen, als Witwe und Dienerin
dahin zurückzukehren,
wo ich einst Gattin und Königin war.
Meinen Ruin zu sehen.
Dem von anderen verratenen Throne zu dienen
und zu bedenken,
was ich bin und was ich einst war.
Arie (Zibeah)
Wenn ich die Schwellen erblicken werde,
oh Gott! Noch getränkt mit meinem eigenen Blute,
wie wird mein Herz
vor Entsetzen und Mitleid zittern!
Ich werde weiter meine geliebten Kinder
sterbend und verlassen sehen;
und bald wird die Grausame
mich wegen meiner Klagen beschimpfen.
Wenn ich die Schwellen ... (ab)
Recitativ
Jehoiada:
Unglückliche Mutter!
Ach, neuer Ansporn für unser Werk
sei dieser Schmerz!
Nun ist Gelegenheit,
diesen glücklichen Spross der Wurzel Jesse
auf den Thron zu setzen,
herangereift ist das Ereignis.
Und ich fühle durch die sich in meinem Herzen
sammelnde freudige Bewegung,
dass eine unsichtbare Hand mich leitet
und meine Schritte lenkt.
Arie (Jehoiada)
Mit ungewöhnlichem Mut
fühle ich die Brust erfüllt;
und ich fühle, dass dieser Mut i
n meiner Brust nicht mein eigener ist. (ab)
Chor (des Gefolges von Athaliah und Mathan)
Lasst uns eilen,
die verhassten Mauern des Tempels einzureißen!
Und dort soll mit stolzem Gemetzel
jeder Feind beerdigt bleiben.
Lasst uns nicht länger warten!
Gehen wir!
Über den falschen Gott Abrahams
wird Baal triumphieren.
Recitativ
Mathan:
Kehre in deinen Palast zurück, Athaliah!
Ich gehe indessen zu Jehoiada.
Athaliah:
Geh also und schmücke
die Geschichte weise aus!
Noch bevor jemand anderes es tut,
werden wir einen König ausrufen,
der immer in unserer Macht stehen
und nur leben und regieren wird,
um unseren Zwecken zu dienen.
Mathan:
Oh, mächtige Herrin!
Oh, wahrhaft geboren, um zu herrschen!
Ataliah:
Zibeah naht sich uns – schweige!
Für unsere Verschwörung ist sie unverzichtbar.
Geh’, ich werde dich
im Tempel des Baal treffen!
Mathan:
Ich gehe; du aber verberge deinen Hass
und bedenke,
dass du im Angesicht unserer Feindin stehst.
Arie (Mathan)
Stürme bedrohen den Ozean;
von Gewitterwolken erfüllt ist die Luft;
doch deine standhafte Seele,
nein, sie weiß nicht zu fürchten. (ab)
Recitativ
Athaliah:
Endlich darf ich dich,
geliebte Schwiegertochter,
an meine Brust drücken, und ich kann...
Zibeah:
Königin, beleidige nicht mein Elend!
Du tötetest die Kinder,
verspotte nicht die Mutter!
Athaliah:
Verstellt dir dieser gemeine Irrtum
also noch immer den Sinn?
Noch heute wird dich Jerusalem erneut preisen;
heute wirst Du Mutter eines Königs sein.
Zibeah:
Mutter! Und in welcher Form
wird einer meiner Söhne auferstehen?
thaliah:
Wir werden so tun,
als sei einer gerettet worden.
Zibeah:
Aber wie kannst Du hoffen,
dass dieser Betrug den heiligen Zielen
des vorsichtigen Jehoiada
standhalten kann?
Athaliah:
Er ist von mir eingeweiht;
er wird für uns sein.
Zibeah:
Also auch Jehoiada?
Ataliah:
Ja, an alles, an alles
habe ich gedacht, Zibeah.
Der dich berät, hat nichts vergessen.
Darauf verlasse dich, oh meine Tochter.
Arie (Ataliah)
Tochter, trockne deine Tränen,
und klage nicht länger!
Zeit ist es, sich zu freuen,
du weintest genug.
Geh‘ nun, und siehe mein Herz aufrichtig,
mehr denn je,
wie ich Deiner gedachte,
wie sehr ich dich liebte.
Tochter, trockne...
Begleitetes Rezitativ
Zibeah:
Welch falsche Liebe!
Einer unbekannten Hand
das Szepter Davids zu übergeben!
Und von mir zu wollen,
diese Monstrosität zu befürworten!
Und Jehoiadah selbst –
Ach, es ist nicht wahr!
Ich kenne den unbestechlichen Hirten.
Doch wenn die Gottlose ihn verführte?
Auch sagte er mir,
dass ich heute versöhnt sein würde.
An ihn will ich mich wenden,
noch ehe ich in den Palast gehe.
Ach Herr, lasse nicht zu,
dass dein großer Name
so mit Füßen getreten wird.
Zeige ein weiteres Mal deine Macht,
und wer du bist.
Die Guten seien
von den Schuldigen unterschieden.
Arie ( Zibeah)
Wappne dich mit Leidenschaft,
verwirre ein solch schuldiges Herz!
Räche, ewiger Gott,
die unterdrückte Wahrheit!
Die Blitze des rächenden Gottes
mögen jene treffen, die die Liebe des
erbarmungsvollen Gottes nicht rührt.
Wappne dich...
Chor (der Jungfrauen)
Vor tückischer Falschheit der uns
schmeichelnd mordenden schuldigen Zunge
beschütze uns, Herr.
Du weißt es, Herr, voll ist die Erde
von geheimem Betrug,
der uns lockt und vergiftet.
Vor tückischer Falschheit...
Zweiter Teil
Chor (des Gefolges von Athaliah und Mathan)
Großer Baal, erbarme dich unser!
Zitternd rufen wir dich an.
Lass dein Volk
Sieger über den Gott Abrahams sein!
Welch ein Bild des Grauens
bietet sich uns vor den Schrecken
der großen Gefahr
mit dem uns der Gott Abrahams bedroht!
Wie zittert uns das Herz in der Brust!
Rezitativ
Athaliah:
Ach, Mathan! Man verschwört sich gegen uns!
Der geplante Betrug
soll schnell ausgeführt werden.
Das Zeugnis von Zibeah
wird ausreichen
um dieses zu unterstützen.
Mathan:
Und du vertraust ihr?
Und wenn sie dir noch so treu wäre,
was kannst du von ihr erwarten?
Ach, die Wunde ist schon viel zu tief.
Schwert und Feuer
muss uns als Mittel dienen.
Hier sind die Heerscharen.
Unterdrücke die Schuldigen!
Zerstöre, zerschlage, töte,
und lass die Bösen zu Asche zerfallen!
Arie (Mathan)
Dort, in ihrem eigenen Tempel
verbrenne die eitle Rotte!
Hügel und Flächen werden sich
rot vom Blute färben.
Und von der vulgären Sippe
werde mir kein Einziger verschont
der einen geknechteten Gefährten
beweinen könnte.
Dort, in ihrem ... (ab)
Begleitetes Rezitativ
Athaliah:
Ich Unglückliche!
Welch neue Vorstellungen
bedrücken mich!
Der Gefahr bin ich mir bewusst;
doch weiß ich nicht,
wie sie zu umgehen ist.
Die Angst berührt mich so wie einen
von drohender Vernichtung Träumenden,
der sie zu fliehen,
sich nicht für würdig erachtet.
Kehr zu dir zurück, Athaliah!
Wache auf, schüttle diese
unwürdige Lethargie ab –
Oh Götter! Ich kann nicht!
Arie (Athaliah)
Mit Schrecken erfüllt mich jeder Wind
und jeder Schatten,
Nebel umhüllt mir den Geist,
eisige Kälte legt sich auf mein Herz.
Selbst die Seele, die zittert und bebt
weiß nicht, wie so viel Empörung
und Angst miteinander
zu vereinbaren sind.
Mit Schrecken ... (ab)
Rezitativ
Jehoiada:
Komm, Joash, komm mein König!
Joash:
Wenn du mich liebst, ach, lieber Vater,
so nenne mich Sohn.
Wenn ich diesen Namen verliere,
was nützt es mir, König zu sein?
Jehoiada:
Ich werde dich nennen, wie du es willst.
Joash:
Was wird die Mutter sagen,
wenn sie mich in dieser Kleidung
sehen wird?
Jehoiada:
Sie wird sich freuen,
wenn du ein königliches Herz besitzt.
Joash:
Nun, da ich König bin,
wird auch mein Herz
des Thrones würdig sein;
ist das Herz der Regenten
nicht in Gottes Hand?
Jehoiada:
Ja, wie ich dir sagte,
und ich zeige dir
die Pflichten eines Königs.
Dies ist der Moment, sie zu wiederholen, oh Sohn.
In allem Handeln lasse dich von der Vorsicht leiten,
begleitet von Tapferkeit,
mit Gerechtigkeit vor Augen
und mit Gott im Herzen!
Arie (Jehoiada)
So sei bemüht, alles
wonach ein Sterblicher streben
mag, zu erreichen.
Vertraue in Allem
auf die Sorge des ewigen Herren.
Der Herr bestärkt und regiert
die würdigen Seelen jener,
die er auf Erden erwählt hat,
um seine Willen zu bekunden.
So sei bemüht...
Begleitetes Rezitativ
Joash:
Herr, der Du mich aus dem Nichts geschaffen,
und mir dein göttliches Antlitz auf die Stirn geprägt hast,
mache mich auch würdig dieser vielen Gaben.
In Samarien hast Du mich vor Atalia,
deren Hass meine Brüder ruchlos tötete,
und die den Thron annektierte,
halblebend gerettet.
Ach, grausames Gemetzel!
Ach, heimtückische Ataliah!
Zerreißen gerechte Gewissensbisse nicht dein Herz?
Jene Unschuldigen glaube ich
noch einmal in ihrem eigen Blute liegend zu sehen,
und ihre Wunden,
eine nach der anderen zu zählen.
Wohin ich mich wende,
sehe ich sie vor meinem Auge.
Ach Anblick! Ach Gemetzel!
Oh unheilvolle Tragödie!
Ich zittere, ich friere vor Schrecken und Mitleid.
Entwaffnet von der schmerzlichen Erinnerung
solcher Greueltat bleibe ich ohne Seele,
bewegungslos, und ohne Stimme.
Arie (Joash)
Unglückliche! Umsonst klage ich
und umsonst höre ich jede Stunde,
wie ein schwaches Echo
meine Klagen wiederholt.
Chor
Von deinem Throne aus, ewiger Gott,
beschütze uns deine Gnade;
und den Kummer der Herzen
besänftige endlich mitleidsvoll.
Recitativ
Jehoiada:
Welche Botschaft bringst du, Ismael?
Ismael:
Alles, oder Teile hat Athaliah entdeckt.
Sie tobt wütend, sammelt Waffen,
Flammen und Krieger um sich:
Und bald wird sie über uns
im Tempel herfallen.
Joash:
Weh mir! Wer wird uns jetzt verteidigen?
Jehoiada:
Der, der uns bis heute immer schon verteidigte.
Ismael:
Komm mit deinem Glauben,
um die wankende Tugend
der ängstlichen Leviter zu stärken.
Meinen Glauben vereine auch ich mit dem Deinen.
Von Gott erbitte ich nur,
ausführen zu können, was ich glaube.
Arie (Ismael)
Mit Glauben im Herzen
bezwingt der Pilger
ohne Furcht vor Stürmen die Berge
und überschreitet das Meer.
Recitativ
Jehoiada:
Also gehen wir, Ismael!
Ismael:
Lass uns gehen!
Joash:
So lässt du mich allein, oh Herr!
Jehoiada:
Nein, deine Mutter nähert sich.
Ich kehre bald zurück.
Laufe auf sie zu, fliege ihr in die Arme
und heitere dein Gesicht auf.
Zibeah, dies ist dein König,
dies ist dein Sohn.
Zibeah:
(Also ist es wahr!
Ataliah hat auch Jehoiada verführt.)
Joash:
Ach, meine liebe Mutter!
Zibeah:
Schweige. Was Mutter? Du mein Sohn?
Beschmutze nicht diesen Namen.
Joash:
Ich bin nicht dein Sohn?
Wer bin ich denn?
Zibeah:
Das armselige Werkzeug
einer schändlichen Verschwörung
Ich fliege, ich eile,
den Verrat aufzudecken,
bevor ich unter die
grausamen Menschen falle...
Joash:
Mutter, ach nicht!
Wohin gehst Du?
Warte und höre.
Zibeah:
Lass mich gehen!
Joash:
Ach, ich bitte dich!
Zibeah:
Was tust Du?
Warum bittest Du im Staube?
(Und doch merke ich, wie ich schwach werde.)
Halte mich nicht auf, Verwegener!
Joash:
Nenne mich Sohn ein einziges Mal
und dann gehe in Frieden,
Duett
Joash:
Sieh mich an, oh Mutter,
wenigstens ein einziges Mal;
und lass mich in deiner Brust
Sohn genannt sein.
Zibeah:
(Ach, was bedeutet dieser Zorn,
der kaum geboren schon wieder erstirbt!
Ach, was will dieses Herz
mit solchen Seufzern sagen!)
Joash:
Sieh nur meinen Schmerz!
Zibeah:
(Welche Zärtlichkeit, oh Gott!)
Joash/Zibeah:
Durch die Venen schlägt
zaghaft mein Blut.
Ein Strahl des wahren Lichtes,
großer Gott, steige von dir herab,
um uns zu erhellen, zu entzünden,
er bereite den Zweifeln ein Ende.
Joash:
Sieh mich an...
Recitativ
Jehoiada:
Hier bin ich wieder, bei euch.
Alles ist vorbereitet.
Zibeah:
Ach, fliehe, fliehe!
Und wenn du es auch nicht vor Gott vermagst,
so verberge dich aus Schande vor der Welt und uns.
Jehoiada:
Ich? Königin? Und warum?
Zibeah:
Einen falschen König
erhebst du auf den Thron?
Jehoiada:
Beruhige dich. Jener ist der wirkliche Joash,
dem Throne durch göttlichen Ratsschluss bewahrt.
Joash:
Meine Mutter, sagte ich’s nicht?
Ich bin dein Sohn.
Jehoiada:
Heilige Krieger,
erwählt, um Gottes Ehre zu erhalten,
seht hier den einzigen Erben
unseres königlichen Thrones,
vor dem verrückten Hass der ruchlosen Frau
und ihrer Gefolgsleute vom Himmel verborgen
und für euch bewahrt.
Meinen Teil habe ich erfüllt.
Das geliebte Pfand verteidigt ihr nun,
ich vertraue es euch an.
Und werft euch nieder
zu den königlichen Füßen, Liebe,
Gehorsam und Treue schwörend.
Chor (der Leviten)
Treue schwören wir;
und möge Gott uns verwehren,
weiterhin die Strahlen der Sonne zu sehen,
wenn es uns je an Treue fehlen sollte.
Rezitativ
Zibeah:
Oh, über alles wundersamer, allmächtiger Gott!
Deinen Namen werde ich besingen, solange ich lebe.
Oh meine glücklichen Tränen!
Wie ungestüm ist dieser Schwall
des Glückes!
Ach, mein Sohn! Ich bin außer meiner selbst;
und in diesem größten Glücksgefühl kann ich nur
weinen und zittern.
Arie (Zibeah)
Beendet ist der lange Kummer;
die Furcht verlässt die Brust;
und schon versuche ich
ein süßes Gefühl,
dass schmeichelnd in mir spricht.
Um dem Himmel Gelübde darzubringen
möchte ich mich jetzt mit euch vereinen;
getröstet, kann ich dessen umfassende Gnade
an uns wieder ganz erkennen.
Beendet ist ... (ab)
Begleitetes Rezitativ
Jehoiada:
Aber was ist dies für ein Aufruhr?
Joash:
Die Tore des Tempels
werden zu Boden gerissen.
Da kommt Athaliah!
Sieh nur,
wie verwirrt sie ihre Blicke wendet!
Rette dich, meine Mutter!
Zibeah:
Rette dich, mein Sohn!
Athaliah:
Gemeine Verräter!
Jehoiada:
Zügle deine Leidenschaft,
gottlose Tochter des Ahab!
Ach, am Rande des Abgrundes hängst Du bereits,
schon umgibt dich die Rache Gottes!
Athaliah:
Weh mir! Welch unbekannte Kraft
beseelt diese Worte!
Ich zittre, kalten Schweiß fühle ich mir die Brust überfluten.
Ich muss fliehen! Doch ach wohin...
Wo ist der Ausweg?
Wer zeigt ihn mir?
Oh Gott! Was höre ich?
Was passiert mit mir?
Wo bin ich?
Arie (Athaliah)
Im Schrecken des Sturmes
sehe ich die Furcht mir zur Seite;
ich weiß nicht, wie lange ich noch
angstvoll zittern muss.
Wohin den trüben Blick ich auch wende,
ich Unglückliche werde von der Schandtat
leider immer wieder eingeholt.
Im Schrecken ... (ab)
Recitativ
Jehoiada:
Man bringe die Unglückliche in ihrem Wahn
an einen anderen Ort!
Joash:
Johoiada, ach sieh nur,
wie ängstlich sie flieht!
Zibeah:
Ach, ich befürchte immer noch
neues Unglück!
Ismael:
Herr, kaum im Freien fiel eben Athliaha,
die Brust von treuer Hand durchbohrt.
Jerusalem jubelt, Baal ist besiegt.
Matan selbst, von seinen eigenen Anhängern bedrängt,
haucht dort in den gottlosen Mauern
auf dem Altar seines Gottes
die unreine Seele aus.
Chor (der Leviten)
Regiere und lebe glücklich,
oh göttlicher Spross Jesse,
unsere Hoffnung und unser König!
Rezitativ
Gioiada:
Erkenne nun, mein Sohn,
wie das Ende der Böswilligen aussieht!
Joash:
Ich weiß es; von dir lernte ich es,
mein Vater. Der Herr duldet
das Glück der Bösen eine kurze Zeit,
und lässt ihnen entweder gnädig Zeit, sich zu besinnen,
oder erwartet, oh dass sie doch gute Taten ausüben:
Doch am Ende trifft die widerspenstigen Schuldigen
die göttliche Rache mit noch größerer Strenge.
Ach, Mahnung sei das Verderben Anderer für mich.
Arie (Joash)
Dich allein bete ich an,
mein sanftmütiger Gott;
Für dich alleine
wünsche ich Aufrichtigkeit
und Liebe in meinem Herzen
zu bewahren.
Du gibst mir den Thron zurück;
ein solch kostbares Geschenk,
dass ich dankbar
deinen Namen ewig preisen will.
Dich allein ...
Recitativ
Joash:
Das Werk ist vollbracht.
Siehe den Spross des Geschlechtes Davids
von neuem auf dem Throne!
Solchen Tag der Freude
erblickten also meine Augen!
Wenn es Dir, Herr, gefällt, so lass mich
diese einst auch in Frieden schließen.
Chor (der Leviten)
Ehre sei dir, oh unvergänglicher Geist!
Lass uns wissen, dich so zu feiern,
wie es einst Abraham tat!