Zum Werk
„…a new sacred Oratorio, called
Gioas, Re di Giuda.
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So liest sich die Ankündigung der Uraufführung von Johann Christian Bachs Oratorium „Gioas“ für Donnerstag, den 22 März 1770, im King’s Theatre, Haymarket, London. Johann Christian Bachs einziges Oratorium erlebte nur zwei weitere Vorstellungen und drei eher beiläufig aufgenommene Wiederbelebung am 10., 17. und 24. Januar 1771. Danach wurde es 231 Jahre nie wieder gespielt, obwohl Abschriften ihren Weg sogar bis nach Wien fanden. Glaubt man einer Reihe von Zeitzeugen, so müssen die Aufführungen trotz mehrmaliger Anwesenheit von Georg III. und der königlichen Familie sehr dünn besucht gewesen sein - wodurch sich der erwartete finanzielle Erfolg sehr in Grenzen hielt. Als General Fitzpatrick einen Parlamentsabgeordneten fragte, ob dieser am Abend die Aufführung des neuen Oratoriums in Haymarket besuchen würde, antwortete er, dass er seine Majestät, den König lieber nicht in seiner Privatsphäre stören wolle... Johann Christian Bach hatte bezüglich des „Gioas“ von Anfang an mit einer Reihe von Widrigkeiten zu kämpfen. Allgegenwärtig war um 1770 immer noch Georg Friedrich Händels Geist, und das Publikum verlangte immer noch Werke in „Händelscher Manier“ – unter anderem zu sehen am großen Erfolg der heute kaum mehr bekannten Zeitgenossen Bachs, wie z.B. dem Mozart-Freund Thomas Linley. Zu allem Übel wurden vor der Premiere auch noch Sänger krank und mussten in aller Eile ersetzt werden, was zu teilweise recht seltsamen Ergebnissen führte. So wurde die Rolle der Sebia dann von einem Kastraten gesungen, während die ursprüngliche Tenorpartie des Gioiada von einer Sopranistin gesungen wurde.
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Wie es schon Händel bei seinen Oratorienaufführungen praktiziert hatte, wurden auch die beiden Akte des „Gioas“ bei den Aufführungen durch konzertante Einlagen unterbrochen. Der begnadete Pianist und Cembalist Johann Christian Bach versuchte sich dabei - quasi in Händels Fußstapfen – mit einem eigenen Konzert ebenfalls an der Orgel, was allerdings vom Publikum sehr schlecht aufgenommen wurde. Bachs Welt war die Oper und nicht das Oratorium Händelscher Prägung. So ist es auch nicht verwunderlich, dass der „Gioas“ eigentlich – wenn man einmal vom geistlichen Thema absieht – eine reinrassige Oper ist. Einziges Zugeständnis an die Gattung des Oratoriums ist die häufige Verwendung des Chores. Weiterhin findet sich aber kein einziges Zugeständnis an die Erwartungen des Publikums – vielleicht auch ein Grund, warum diese abwechslungsreiche und qualitätvolle Musik dann letzten Endes doch durchfiel. Die Handlung findet sich in 2. Könige 11 und den Chroniken 22 – 23 des Alten Testamentes. Pietro Metastasios ursprünglich enorm weitschweifiges Libretto ist von Botarelli für Bach kräftig überarbeitet worden. Im Besonderen verkürzte er die Rezitative dabei drastisch, was dem Fluss von Handlung und Musik sehr entgegenkommt. Die Zahl der Chöre wurde von 3 auf 7 erweitert und alle Solisten erhielten die selbe Anzahl von Arien. Trotzdem hat Bach bei der Komposition, dann noch weitere Streichungen vorgenommen. So finden sich von ihm nicht komponierte Verse in den Texten zu mehreren Arien – Stücke, die offensichtlich als großangelegte Da-capo Arien gedacht gewesen waren. Die von Bach nicht komponierte zweite Texthälfte einer Arie des „Gioas“ wurde von mir einem Chor aus „Endimione“ von Bach unterlegt, und dadurch ein weiterer Chor gewonnen.
Konstantin Köppelmann |