29. Oktober bis 1. November 1995

 

Der erste Besuch der Immanuelkantorei in der Paul-Gerhardt-Gemeinde Leipzig, im Stadtteil Connewitz. Sechs Jahre nach der Wende, eine nicht nur musikalische Begegnung der besonderen Art. In der „gemeindespiegel“-Ausgabe Dezember 1995 berichtet ein Kantorei-Mitglied in einem noch heute, 13 Jahre nach dem Mauerfall, berührenden Artikel von dieser ersten „deutsch-deutschen“ Begegnung der beiden Chöre in Leipzig. Hier Auszüge daraus:

„Von der Musik als gemeinsames Band über alle inneren und äußeren Grenzen hinweg hatte der Kantor der Leipziger Paul-Gerhardt-Kirche, Holm Vogel, gesprochen und damit ausgedrückt, was viele der Chormitglieder des Immanuelchores sehr ähnlich empfanden. Schon die ungewöhnlich hohe Teilnehmerzahl von 42 Chormitgliedern bei dieser Konzertreise machte das Interesse deutlich, sechs Jahre nach der Wende persönliche Kontakte zu Menschen der neuen Bundesländer aufzubauen, vor allem aber auch eine dortige evangelisch-lutherische Gemeinde kennenzulernen. Dass dann der Kontakt zu der Bach-Stadt Leipzig zustande kam hat auch damit zu tun, dass zwei Mitglieder des Immanuelchores, Herr und Frau Roth, aus dieser Stadt stammen. Ein wenig verwegen mag es dem einen oder anderen dabei erschienen sein, dass ausgerechnet Münchner nach Leipzig fahren, um dort am Reformationstag eine Bach-Kantate zu singen Für Kantor Konstantin Köppelmann war die Idee, Musikwerke nach getrennter Einstudierung mit zwei Chören gemeinsam aufzuführen, eine besonders reizvolle Herausforderung.

Auch war der Zeitpunkt der Aufführung für viele symbolträchtig: Die Begehung des Reformationstages, die Jahres-Feiern zur Wende, dazu auch die persönlichen Eindrücke aus dem gerade ein paar Tage zuvor ausgestrahlten Fernsehfilm über die Montagsgebete in der Leipziger Nikolaikirche und deren Folgen. (Anm. d. Red.: gemeint ist die Verfilmung des Romans „Nikolaikirche“ von Erich Loest.)

Die 1900 geweihte Paul-Gerhardt-Kirche

 

Trotz der heiteren Ausgelassenheit der Chormitglieder während der langen Bahnreise wurde so manch nachdenklicher Gedanke geäußert. Für viele war es wie eine Reise in unbekanntes Land, in einigen Fällen auch eine Wiederbegegnung mit der eigenen Vergangenheit. Allen gemeinsam jedoch war das Bewusstsein, dabei auch zu den musikalischen Wurzeln des Protestantismus zu reisen. Bei allen Aussagen wurde der Wunsch nach menschlichem Austausch deutlich sowie die Erwartung, in der Musik auch zu einem Miteinander zu finden. „Wenn für evangelische Christen nicht die Musik Johann Sebastian Bachs dies bewirken könne“, so eines der Chormitglieder, „ was dann...“ (...)."

 

2. bis 4. Oktober 1996

  

Gegenbesuch der Leipziger in München. Höhepunkt dieser Tage der Begegnung: der am 3. Oktober (Tag der Deutschen Einheit) gemeinsam von beiden Kantoreien gestaltete Gottesdienst und das anschließende Gemeindefest unter dem Motto „Bei uns wächst zusammen, was zusammengehört - wir feiern Deutsche Einheit und Gemeinde-Einheit.“  

 

 

29. Juni bis 2. Juli 2000

 

Der zweite Besuch der Immanuelkantorei in Leipzig fällt in eine Zeit des Umbruchs für die Paul-Gerhardt-Gemeinde: die finanzielle Situation der evangelischen Landeskirche Sachsen erfordert 1999 die Zusammenlegung der beiden Pfarrstellen Connewitz und Lößnig. Außerdem zwingen die Sparmaßnahmen zu Einschränkungen in der Kantorei. So geht das Kantorenehepaar Vogel in den vorzeitigen Ruhestand und die Kirchenmusik in Paul-Gerhardt muss eine neue musikalische Leitung auf einer deutlich reduzierten Stelle suchen. Diese Sorgen der Gastgeber beeinträchtigten aber nicht die aufrichtige Freude des Treffens und das gemeinsame Musizieren.

Die hölzerne Tonnendecke des 25m langen Kirchenschiffs

 

 

28. bis 30.September 2001

 

Gegenbesuch der Leipziger Chormitglieder in München zusammen mit Pfarrer Reinhard Enders, seiner Frau und der neuen Kantorin Elisabeth Wolf. Unglaublich schnell sind am ersten Abend die Gesprächsfäden unter den nun schon so vertrauten Chor-Freunden wieder aufgenommen und der Kontakt zu den vielen neuen, auch jungen Gesichtern, hergestellt. Beide Kantoreien proben trotz der kurzen zur Verfügung stehenden Zeit (inklusive Oktoberfestbesuch...) intensiv gemeinsam für die musikalische Ausgestaltung des Ernte-Dank-Gottesdienstes. Der Abschied fällt am Ende richtig schwer.

 

 

3. bis 5. Oktober 2003

 

3. Besuch der Immanuelkantorei in Connewitz. Die "Leipziger" haben sich wie immer etwas besonderes einfallen lassen: Stadtbesichtigung von Halle, mit den Gedenk- und Wirkungsstätten Händels, gemeinsamer Abend im Paul-Gerhardt-Haus (mit einem gigantischen Buffet), Besuch des "Bayerischen Bahnhofs" in Leipzig. Dazwischen wurde intensiv geprobt, denn der Gottesdienst am 5. Oktober in der Paul-Gerhardt-Kirche wurde von beiden Chören, zusammen mit Orchester und Solisten, mit Mozarts "Ave verum" und der "Spatzenmesse" gestaltet. Ein volles Programm und die Zeit ist für alle wie immer viel zu schnell vorübergegangen. Bildergalerie

 

 

8. bis 10. Juli 2005

 

Diesmal freuen sich alle Münchner nicht nur auf den Besuch der Leipziger Chorfreunde, sondern auch darauf, dass es noch etwas ganz besonderes zu feiern gilt: die Chorpartnerschaft zwischen der Paul-Gerhardt-Kantorei und der Immanuel-Kantorei jährt sich 2005 zum 10. Mal. Anlass genug, mit einem Festgottesdienst am Sonntag, 10. Juli 2005, dieses Ereignis zu würdigen. Beide Chöre gestalten zusammen mit dem Posaunenchor der Immanuelkirche (Leitung Dr. Joachim Schubert) und weiteren Instrumentalisten den von Pfarrer Enders, Leipzig, Pfarrer Stählin und Pfarrerin Untch gehaltenen Gottesdienst mit doppel- und dreichörigen Werken von Schütz, Pachelbel und Köppelmann musikalisch aus. Die Chöre leiten im Wechsel Elisabeth Wolf, Kantorin Paul-Gerhardt-Kirche und Kantor Konstantin Köppelmann, Immanuelkirche. Zusammen über 100 Mitwirkende auf der Immanuel-Empore! Ein Erlebnis für  Aktive und Zuhörer. 

 

Natürlich gibt es noch ein mehr an diesem Wochenende: einen ersten gemeinsamen Abend im Gemeindesaal, an dem das Jubiläum gebührend gefeiert wird und die Leipziger der Immanuel-Kantorei Anstecknadeln mit einem extra zu diesem Anlass designtem Logo überreichen, am Samstag dann nach intensiver gemeinsamer Probe ein Ausflug nach Schloss Oberschleißheim  und am Abend den Jazz-Biergarten mit CHORnetto, dem Jazz- und Gospelchor der Immanuelkirche (Leitung Evelyn Tröster). Viel zu schnell kommt - wie immer - der Sonntag mit dem abschließenden Empfang nach dem Gottesdienst. Das trübe Wetter entspricht  ganz der wehmütigen Stimmung, denn allen fällt  nach den intensiven gemeinsamen Tagen das Abschiednehmen schwer. Aber schon werden mit Feuereifer neue Pläne geschmiedet und so scheint es in zwei Jahren das nächste Chortreffen zu geben. Wo? Nur Geduld, es steht in jedem Fall bald hier, an dieser Stelle ...

 

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15. bis 17. Juni 2007

Chorwochenende in Selb zu Besuch bei Dekan Hermann Seißler; Gottesdienstausgestaltung in der evangelischen Stadtkirche in Selb. 

 

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Predigt Pfarrer Enders 17. Juni 2007 / Stadtkirche Selb

 

 

 

11. bis 14. Juni 2009

 

 

100 Jahre Paul-Gerhardt-Kirche Leipzig: Grund genug für die Immanuelkantorei ihrem Partnerchor in Leipzig-Connewitz einen Besuch abzustatten und dort vier Tage miteinander zu verbringen und einen Gottesdienst musikalisch auszugestalten. 45 Chormitglieder machten sich, zusammen mit ihrem Leiter Konstantin Köppelmann, auf den Weg, zum ersten Mal auch begleitet von Pfarrer Martin Stählin. Wie immer hing im Reisebus einträchtig die bayerische neben der sächsische Fahne!

 

Die Leipziger Freunde hatten ein umfangreiches, wunderbares Programm "ausgearbeitet", das vom Besuch eines musikalischen Gottesdienstes in der Reformiertenkirche über eine Bootsfahrt am Karl-Heine-Kanal bis zu einem Themenstadtspaziergang in der Innenstadt reichte. Und natürlich waren alle Abende liebevoll mit reichhaltigem Buffet im Gemeindesaal bzw. einem Grillabend im Stammlokal der Kantorei organisiert. Noch heute lacht die Immanuel-Kantorei Tränen über die Fähigkeit der "Confrencier" unter anderem sächsisch zu rappen, ganz zu schweigen von ihrem unerschöpflichen Repertoire an sächsischen Witzen ...

 

"Nebenbei" wurde natürlich feste unter der Leitung von Kantorin Elisabeth Wolf geprobt. Franz Schuberts Messe in G-Dur, für Chor, Orchester und Solisten stand auf dem Programm. Wahrlich keine leichte Aufgabe, über 100 Sängerinnen und Sänger im Zaum zum halten. Es wurde ein ergreifender Gottesdienst, der uns allen den Abschied am Sonntag noch schwerer machte.

 

Viele berührende Momente, intensive Gespräche aber auch viel Lachen und eine über die Jahre gewachsene Nähe und Vertrautheit zu den Chormitgliedern in Leipzig-Connewitz haben diese Tage für uns in Immanuel zu einem kleinen Juwel gemacht, dessen Kostbarkeit wir zu schätzen wissen. Und wir freuen uns jetzt schon auf den Ökumenischen Kirchentag im Mai 2010 in München, denn da haben bereits 40 Connewitzer ihr Kommen zugesagt. Herzlich willkommen euch allen!

 

 

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Das Gemeindeblatt der Paul-Gerhardt-Gemeinde Connewitz-Lößnig online

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